Kinder lernen Sprache nicht aus Büchern. Sie hören zu, sie plappern nach, sie probieren aus. Sie sagen etwas Falsches und versuchen es noch einmal. Niemand erklärt ihnen zuerst, was ein Präteritum oder Plusquamperfekt ist. Und trotzdem sprechen sie irgendwann flüssig. Später lernen sie die Regeln – aber beim Sprechen denken sie nicht darüber nach. Sie benutzen Bausteine, Stimmungen, Emotionen. Ein und dasselbe Wort kann je nach Tonfall etwas völlig anderes bedeuten.
Auch in der Musik lernen wir durchs Hören und ausprobieren. Verbinden von Fragmenten, die uns emotional berühren. Ein Ton oder eine Akkordfolge kann auf unendlich vielen Ebenen existieren. Es geht nicht darum, alles zu verstehen, bevor man spielt. Es geht darum zu hören, zu fühlen, auszuprobieren. Spielerisch, neugierig, ohne Angst vor Fehlern.
Viele große Songwriter sind genau diesen Weg gegangen. Die Beatles, Nirvana und viele andere haben ihre Musik nicht aus Theorie gebaut, sondern aus dem Erleben heraus. Erst später wurde von Leuten analysiert und gefragt: Wie konnten sie das in diesem Alter, ohne all dieses Wissen? Die Antwort: Weil es aus dem Spiel kam. Aus dem Gefühl. So wie man kein Buch schreibt, weil man entscheidet, eine bestimmte Zeitform zu benutzen – sondern weil man etwas ausdrücken will und etwas fühlt.
Oder in Victor Wooten’s Worten:
